Lehrbücher

Schilddrüse 2003 - Vorwort

Die 16. Veranstaltung des Henning-Symposiums über die menschliche Schilddrüse in Heidelberg befasste sich mit den aktuellen Themen des zufällig entdeckten Schilddrüsenknotens und der latenten Schilddrüsenfunktionsstörung. Schilddrüsenknoten und Strumen sind in Deutschland nach wie vor sehr häufig, da es über Jahrzehnte nicht gelungen ist, den hier herrschenden Iodmangel durch rechtliche Vorgaben vollständig auszugleichen. Die aktuelle Iodversorgung der Bevölkerung ist derzeit äußerst heterogen, einerseits besteht ein Ioddefizit, andererseits aber führt die Eigeninitiative der Bevölkerung zu einer Überversorgung mit Iod. Eine bundesweite Ultraschall-Screening-Untersuchung (Schilddrüsen-Initiative Papillon I der Firma Henning/Sanofi-Synthelabo) hat gezeigt, dass Strumen und/oder Schilddrüsenknoten etwa bei jedem 3. Menschen, der als schilddrüsengesund gilt, gefunden werden. Im jüngeren Alter ist etwa jeder Fünfte, im höheren Alter etwa jeder Zweite betroffen. Abhängig von der Knotengröße müssen Schilddrüsenknoten weiter abgeklärt werden, um ein Schilddrüsenkarzinom nicht zu übersehen. Neben den etablierten Verfahren der Szintigraphie und der Feinnadelpunktion steht die Bestimmung des Calcitonins bei Schilddrüsenknoten zur Diskussion.

Während in der offiziellen Todesursachenstatistik Schilddrüsenerkrankungen nahezu nicht auftauchen, und heute nur noch wenige Menschen unmittelbar an einer Schilddrüsenerkrankung sterben, führen jedoch latente Schilddrüsenfunktionsstörungen zu Beeinträchtigungen der Befindlichkeit und Lebensqualität (Unruhe, Reizbarkeit, Gefühlsschwankungen, Depression, Libido- und Potenzstörungen) und darüber hinaus zu Folgeerkrankungen, z.B. Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen, Osteoporose sowie zu Sterilität oder Fehlgeburten. Hiermit sind erhebliche Kosten im Gesundheitswesen verbunden. Erste Ergebnisse der Schilddrüsen-Initiative Papillon II zeigen, dass die Rate bislang unentdeckter latenter oder manifester Schilddrüsenfunktionsstörungen bei 10 % liegt. Bei Befindlichkeitsstörungen, unerfülltem Kinderwunsch und bei allen älteren Menschen muss routinemäßig durch einfache Labordiagnostik eine Schilddrüsenfunktionsstörung ausgeschlossen werden. Die latente Schilddrüsenfunktionsstörung wird heute von allen Fachdisziplinen als behandlungsbedürftig angesehen. Zudem zeichnet sich in der Bewertung des hoch-normalen TSH-Spiegels in Verbindung mit erhöhten Schilddrüsenantikörpern ein Wandel ab.

Mit unverwechselbarer Präzision und Einsatz haben erneut die Mitarbeiter der Firma Henning Berlin die Planung und Durchführung der Veranstaltung mitgetragen, um ein umfangreiches praxisrelevantes und zugleich wissenschaftlich fundiertes Programm umzusetzen. Ohne die großzügige Unterstützung der Firma Sanofi-Synthelabo/Henning Berlin wäre die Realisierung einer solchen Veranstaltung nicht möglich gewesen. Allen Beteiligten, Organisatoren, Referenten und Diskutanten sei für das Gelingen der in Deutschland größten Schilddrüsenkonferenz herzlich gedankt.

Die gute Zusammenarbeit mit den Autoren und mit dem Verlag Walter de Gruyter in Berlin ermöglichte es, dass der Buchband über die 16. Konferenz über die menschliche Schilddrüse frühzeitig erscheinen konnte. Für die großzügige Unterstützung bei der Drucklegung danken wir der Firma Sanofi-Synthelabo/Henning Berlin.

Nuklearmedizin - Basiswissen und klinische Anwendung

Methoden der Nuklearmedizin sind aus dem heutigen klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken: Sie sind exakt, hoch empfindlich und für den Patienten wenig belastend. Für ihre korrekte Anwendung liefert die 7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage des etablierten Lehrbuches das notwendige Basiswissen:

Übersichtlich und verständlich erläutern die Autoren die physikalischen und radiopharmazeutischen Grundlagen. Auf die klinische Anwendung der nuklearmedizinischen Methoden wird ausführlich eingegangen. Die Organkapitel haben entsprechend ihrer klinischen Relevanz eine neue Gewichtung erhalten. Auch die Qualitätssicherung, von der evidenzbasierten Medizin bis zu den Aufgaben der Ärztlichen Stelle, ist auf dem neuesten Stand. Molekulare Bildgebung und molekulare Strahlentherapie sind jetzt thematisch miteinander verknüpft. Aktuelle Entwicklungen der kombinierten Bildgebung (SPECT/CT, PET/CT, PET/MRT) sind besonders berücksichtigt. Die Kasuistiken mit den Szintigrammen sind nahezu komplett neu zusammengestellt.

Ein gelungenes Einstiegswerk in das spannende Gebiet der Nuklearmedizin – für Studierende der Medizin ebenso geeignet wie für MTRAs und Assistenzärzte verschiedener Fachrichtungen.

Vorwort zur 7. Auflage

Nuklearmedizinische Verfahren zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten wurden in den 1950er- und 1960er-Jahren eingeführt. Ein eigenständiger Facharzt für Nuklearmedizin wurde in Deutschland in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre etabliert.

Während die Nuklearmedizin und die Strahlentherapie beziehungsweise Radioonkologie noch weitgehend einheitlich definierte Fachgebiete darstellen, hat sich in der Diagnostischen Radiologie (inkl. Interventionelle Radiologie) in den letzten Jahren eine zunehmende Spezialisierung ergeben, wie die organbezogene Diagnostik in der Neuroradiologie und der Pädiatrischen Radiologie. Unterstützende theoretische Fächer sind Medizinphysik, Strahlenphysik und Strahlenbiologie, ferner Radiochemie und Radiopharmazie.

Um das Fach Nuklearmedizin und die Molekulare Bildgebung im Allgemeinen besser verstehen zu können, werden Betrachtungen, Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus der Molekularbiologie und Genetik herangezogen.

Gleichwohl haben wir uns erneut auf radionuklidbasierte Techniken konzentriert, wie Positronenemissionstomographie (PET) und Single-Photon-Emissionscomputertomographie (SPECT). Nicht radionuklidbasierte Techniken wie Magnetresonanztomographie (MRT), Magnetresonanzspektroskopie (MRS), Optical Imaging (OI) und kontrastverstärkter Ultraschall (CEUS) werden nur angesprochen, wenn sie komplementäre Informationen liefern. Während radionuklidbasierte Techniken bereits breite klinische Anwendung finden, werden viele nicht radionuklidbasierte Techniken noch in präklinischen Modellen validiert. So gehen wir auf Verfahren wie die Anwendung von Reportergenen oder von Tiermodellen nur kurz ein. In diesem Sinne ist die 7. Auflage des Lehrbuches traditionell klinisch, verzichtet sie doch weitgehend auf Begriffe wie Theragnostik und Translation.

Bei vielen klinischen Fragestellungen (auch Forschungsfragen) wurde eine bildgebende morphologische radiologische Diagnostik (Röntgen, Computertomographie [CT]) inzwischen durch hoch effiziente Methoden ohne Strahlenexposition für den Patienten substituiert (z.B. Ultraschall, MRT). Dennoch verbleibt ein Großteil der Diagnostik mit ionisierenden Strahlen, diese ist sogar wegen der erheblichen technischen Verbesserungen und Innovationen, aber auch der verbesserten flächendeckenden Verbreitung auf weitere klinische Indikationen ausgeweitet worden.

Hier ist der Strahlenschutz für Patient, Personal und Umwelt von Bedeutung. Der beste Strahlenschutz, insbesondere für den Patienten, ist jedoch nicht die zwar sinnvolle Verminderung der Strahlenexposition durch technische Verbesserungen und oft hiermit verbundene Reduktion der Strahlenexposition. Der beste Strahlenschutz der Patienten und der allgemeinen Bevölkerung besteht in der hohen fachlichen Kompetenz der fachkundigen Ärzte und der klinischen Zuweiser: Vermeidung unnötiger Untersuchungen und Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen.

In den letzten Jahren hat sich in der Nuklearmedizin und in der Radiologie, aber auch bei der Strahlentherapie eine Entwicklung ergeben, die zu einer erheblichen Veränderung der Definition, Organisation und Ausbildung im Bereich der „Strahlenmedizin“ führen kann. Ursache hierfür ist der zunehmende Einsatz von Hybridgeräten. In einem einzigen Gerät wird die „Morphologische Bildgebung“ (CT bzw. MRT) mit der „Molekularen Bildgebung“ (PET bzw. SPECT) kombiniert. So wird in einem PET/CT-Gerät der Patient in einem Arbeitsgang und ohne Lagewechsel mit PET und CT „gleichzeitig“ untersucht. Dies hat eine Verkürzung der Untersuchungsdauer, eine Erleichterung der Organisation der Untersuchungen und insbesondere auch eine Verbesserung der Aussagefähigkeit zur Folge, da molekulare bzw. metabolische Störungen unmittelbar und mit hoher Genauigkeit einem möglichen morphologischen oder funktionellen Korrelat zugeordnet werden können.

Allerdings besteht hier das Problem, dass bei PET/CT der Nuklearmediziner nur die PET, der Radiologe nur die CT durchführen und anschließend das Ergebnis beurteilen darf. Entweder beteiligen sich beide Fachdisziplinen kooperativ an der Untersuchung und Auswertung, oder aber es muss ein spezieller Facharzt hierfür geschaffen werden: z.B. zwei Jahre Ausbildung am PET und zwei Jahre Ausbildung am CT. Problematisch aus Sicht der Herausgeber dieses Buches wäre in diesem Falle, dass hierbei ein „Facharzt für ein Gerät“ und nicht ein „Facharzt für die Diagnostik von Krankheiten“ geschaffen würde. Aufwendig ist die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben bei einem Doppel-Facharzt (Facharzt für Radiologie und Nuklearmedizin). Möglicherweise kommt es aber auch zu wechselseitigen Fachkunden, z.B. eine „Fachkunde PET“ für den Radiologen und eine „Fachkunde Schnittbilddiagnostik“ (CT, MRT) für den Nuklearmediziner. So wäre ein einzelner Facharzt in der Lage, ein derartiges Hybridgerät zu betreiben: z.B. eine ein- bis zweijährige Fachkunde CT/MRT für einen Facharzt für Nuklearmedizin und vice versa PET für einen Facharzt für Radiologie. Gesetzliche Regelungen und Absprachen zwischen den zuständigen Fachgesellschaften sind im status nascendi. Derzeit offen ist, was auf Ärzte, die sich in diesen Fächern derzeit in der Facharzt-Weiterbildung befinden, in Zukunft zukommen wird.

PET/CT-Geräte und SPECT/CT-Geräte sind heute an nahezu allen Universitätskliniken und Großkrankenhäusern, aber auch in vielen Arztpraxen bereits vorhanden. Derzeit werden an einigen Standorten PET/MRT-Geräte eingeführt, um Machbarkeit, Kosten und Effizienz zu prüfen. Dieses Hybridgerät hätte unter anderem den Vorteil einer deutlich niedrigeren Strahlenexposition, entfällt doch die CT-Komponente. Mit PET/CT wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte in der Diagnostik, im Staging und in der Verlaufskontrolle und Therapieevaluation erzielt, insbesondere in der Onkologie. Zwar ist die Untersuchung relativ teuer, jedoch kann durch eine frühe Weichenstellung die Therapie optimiert werden: So können etwa unnötige Operationen, Strahlentherapien oder aufwendige und belastende Chemotherapien vermieden werden. Das hilft letztendlich nicht nur dem Patienten, sondern bei einer ökonomischen Gesamtbetrachtung kann auch Geld eingespart werden.

Alle Kapitel der Vorauflage wurden teilweise grundlegend überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Ein Kapitel über Qualitätssicherung ist neu hinzugekommen. Die Szintigramme wurden nahezu vollständig durch modernere ausgetauscht. Die Schemaabbildungen wurden mit Farbe versehen. Aufgenommen wurden auch die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Oktober 2012 publizierten neuen „Diagnostischen Referenzwerte“ (Vorschriften für zu applizierende Aktivitäten).

Wir hoffen, dass dieses kompakte Buch der Nuklearmedizin auch weiterhin dem bisherigen Nutzerkreis eine Hilfe sein wird: den Studierenden, medizinisch-technischen Radiologieassistentinnen (MTRAs), Naturwissenschaftlern, Ärzten anderer Fachgebiete und nicht zuletzt Ärzten in der Weiterbildung.

Dieses Buch wurde geschrieben, weil die Nuklearmedizin weitgehend auf die Bestimmung von „Laborwerten“ und die Betrachtung von Bildern reduziert wird. Laborwerte und Bilder sind Darstellungen von Meßwerten. Ihnen können Stoffwechselvorgänge zugeordnet wer

Dieses Buch wurde geschrieben, weil die Nuklearmedizin weitgehend auf die Bestimmung von „Laborwerten“ und die Betrachtung von Bildern reduziert wird. Laborwerte und Bilder sind Darstellungen von Meßwerten. Ihnen können Stoffwechselvorgänge zugeordnet werden, wenn theoretische Betrachtungen oder Erfahrungen dies zulassen. Der Stoffwechsel von Organismen gehorcht physikalischen und chemischen Gesetzen, die bei der Konstruktion von Modellen zu berücksichtigen sind.

Mathematisch lassen sich viele Modellvorstellungen durch Differentialgleichungen bzw. Differentialgleichungssysteme darstellen. Die Lösungen sind die Erwartungswerte bei Untersuchungen. Aus den Beobachtungen müssen die Modellparameter ermittelt werden, durch die die Erwartungswerte reproduziert werden. Dieses Buch soll dazu dienen die Erfahrungen mit diesem klassischen Teil der Nuklearmedizin nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Bezug des Buches

Dieser Titel ist nicht im Buchhandel, sondern als digitaler Download unter folgendem Link bei DocCheck Load erhältlich: Download bei DocCheck Load

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