Peptid-Radiorezeptor-Therapie (PRRT) neuroendokriner Tumoren

Abbildung: Peptid-Radiorezeptor-Therapie (PRRT) neuroendokriner Tumoren
Abbildung: Peptid-Radiorezeptor-Therapie (PRRT) neuroendokriner Tumoren. Foto: Uniklinik Köln

Die Nuklearmedizin der Uniklinik Köln bietet die Behandlung von Patienten mit metastasierten neuroendokrinen Tumoren an. Hierzu wird [177Lu]-markiertes DotaTATE verwendet. Dieses radioaktive Medikament lagert sich an Tumoren an, die Somatostatinrezeptoren exprimieren. Unter weitgehender Schonung des gesunden Gewebes erfolgt eine Bestrahlung der Metastasen. Diese Therapie wird in der Regel sehr gut vertragen, erfordert aber einen stationären Aufenthalt von meist 4 – 5 Tagen. Vor der Behandlung steht ein ausführliches Aufklärungsgespräch, da bei der Therapie neuroendokriner Tumoren grundsätzlich mehrere Therapieoptionen existieren.

Abbildung: [68Ga]DotaTATE PET-CT bei Knochenmetastasen eines neuroendokrinen Darmtumors (Rektum-NET) vor und nach Radionukldtherapie (PRRT). Man sieht das deutliche Therapieansprechen. Foto: Uniklinik Köln

Wichtig: Eine Sandostatin-Therapie mit LAR (intramuskuläre Spritze 1 x / Monat) muss vor der stationären Aufnahme unterbrochen werden (Dauer der Unterbrechung wird vom Arzt festgelegt).

Eine Chemotherapie sollte letztmalig 6 – 8 Wochen vor der stationären Aufnahme erfolgen.

Wirkungsweise der Peptid-Radiorezeptor-Therapie

An der Oberfläche neuroendokriner Tumoren befinden sich in hoher Zahl spezielle Somatostatin-Rezeptoren. An diese Rezeptoren („Haftstellen“) haftet sich das Hormon Somatostatin. Hat ein Hormon am Rezeptor angedockt, werden über diesen Rezeptor Informationen an die neuroendokrinen Zellen weitergegeben. Nachdem eine dem Hormon Somatostatin ähnliche Substanz (ein Eiweißmolekül = Peptid) pharmazeutisch herstellbar ist, nutzt man diese Peptide als Träger für radioaktive Teilchen (z.B. Yttrium-90 oder Lutetium-177), die dann gleichfalls innerhalb weniger Minuten nach der Injektion an die Rezeptoren der neuroendokrinen Tumorzellen andocken, über Tage dort verbleiben, die Tumorzellen dann bestrahlen und dadurch vernichten.

Beschreibung des Therapieablaufs

Vor der Therapie muss mittels Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie oder mittels 68Ga-DOTATATE PET/CT die Indikation zur Durchführung einer Radio-Rezeptor-Therapie überprüft werden. Bei nachgewiesener Speicherung in den Tumoren wird die Therapie stationär durchgeführt. Sofern alle notwendigen Voruntersuchungen (Nieren-Sequenz-Szintigraphie, PET/CT, evtl. MRT) abgeschlossen wurden, ist rechtlich eine stationäre Aufenthaltsdauer von mindestens 48 Stunden vorgeschrieben. In der Regel erfolgen in Zeitabständen von etwa 3 – 4 Monaten insgesamt 4 Therapiezyklen.

Die Therapiesubstanz wird langsam als Infusion über ca. 10 – 20 min intravenös verabreicht. Zur Vermeidung einer Schädigung der Nieren, die die radioaktive Therapiesubstanz ausscheiden, werden die Nieren vor, während und nach der Infusion der radioaktiven Therapiesubstanz durch Aminosäure-Infusionen und ggf. spezielle Gelatine-Lösungen (Gelafusal) geschützt.

Nach der Infusion werden in der Regel durch szintigraphische Ganzkörperaufnahmen, die während des stationären Aufenthaltes täglich wiederholt werden, Kontrollen zur Speicherintensität im Tumor sowie zum Abbau der Therapiesubstanz im Körper durchgeführt. In der Zeit des stationären Aufenthaltes und in den Tagen danach wird eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme (2 – 4 Liter täglich) zum Spülen der Nieren empfohlen.

Das Therapieergebnis wird nach ca. 3 – 4 Monaten durch eine erneute Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie oder mittels 68Ga-DOTATATE PET/CT kontrolliert. In der Zwischenzeit ist eine Betreuung durch den Hausarzt oder Onkologen am Wohnort (Kontrollen des Blutbildes, der Nieren- und der Leberwerte) notwendig.

Erfolge mit dieser Therapie

Folgende Wirkungen sind meist nach wiederholter Radio-Rezeptor-Therapie möglich:

  • Totale Rückbildung der Tumoren ca. 2%
  • Rückbildung um mehr als 50% des Tumorvolumens vor der Behandlung  ca. 22%
  • Rückbildung zwischen 50% und 25% des Tumorvolumens vor der Behandlung ca. 12%
  • Stabiles Tumorverhalten (kein weiteres Wachstum) ca. 49%

Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es trotz der Peptid-Radiorezeptor-Therapie abhängig von der individuellen Tumorbiologie zu einem Fortschreiten der Erkrankung, einem Tumorprogress kommen kann.

Nebenwirkungen der Therapie

Im Allgemeinen wird die Therapie ohne wesentliche Nebenwirkungen toleriert.

Folgende Nebenwirkungen sind möglich, müssen jedoch nicht auftreten:

  • selten allergische Reaktionen auf die Therapiesubstanz
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit oder Brechreiz (über Minuten bis zu ca. 2 Tagen anhaltend)
  • Müdigkeit (über Tage bis zu ca. 3 Wochen anhaltend)
  • vermehrte Flush-Symptomatik (über mehrere Tage, oft Anzeichen einer Tumorantwort)
  • längerfristig wurden nach Jahren und bei hochdosierter Behandlung Nierenschäden bis hin zur Dialysepflichtigkeit beschrieben. Unter Einsatz von Aminosäuren sind bisher keine wesentlichen Nierenschäden aufgetreten. Im Falle einer Vorerkrankung der Niere ist die Konsequenz einer dauerhaften Dialyse (Blutwäsche) nicht auszuschließen.
  • Insbesondere bei Patienten mit Knochenmetastasen kann es zu einer Reduzierung der weißen bzw. roten Blutzellen oder der Blutplättchen kommen, die sich meist innerhalb weniger Wochen regenerieren.
  • sehr selten Auftreten einer dauerhaften Schädigung des blutbildenden Knochenmarks (myelodysplastisches Syndrom)

Ansprechpartner und Anmeldung zur Peptid-Rezeptor-Therapie (PRRT)

Wirkungsweise der Peptid-Radiorezeptor-Therapie

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